Als einer der bedeutendsten Hochschulstandorte in Deutschland zählt Mainz fast 40.000 Studierende an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und den beiden Fachhochschulen. Die Kenntnisse über die Lebensbe-
dingungen dieser wichtigen Bevölkerungsgruppe und ihren Beitrag zur Wirt-
schaftskraft der Stadt Mainz sind jedoch völlig unzureichend. Deshalb führten im Rahmen der "Stadt der Wissenschaft" Univ.-Prof. Günter Meyer und Evelyn Schäfer vom Geographischen Institut der JGU in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung eine Online-Befragung der Studierenden an den drei Hochschulen in Mainz durch. Insgesamt 4.806 Studierende beteiligten sich an der Untersuchung.
Während sich die bisherigen Ergebnisberichte mit der Wohnsituation, der Nutzung der Mainzer Infrastruktur durch die Studierenden und deren Verbun
denheit mit Mainz befassten, werden jetzt zum Abschluss der vierteiligen Artikelserie die Fragen beantwortet, was den Studierenden besonders gut und überhaupt nicht in Mainz gefällt. Was sollte aus studentischer Sicht getan werden, damit der Hochschulort attraktiver wird?
Insgesamt 3.776 Studierende der drei Hochschulen kamen der Bitte nach, drei Dinge zu nennen, die ihnen in Mainz besonders gut gefallen. In der folgenden Auflistung wurden die 9.781 Antworten nach Themenbereichen zusammen-
gefasst. Die eingeklammerten Zahlen zeigen, wie viele von umgerechnet je 1.000 Studierenden die betreffende Antwort gaben.
Kein anderer Bereich der Stadt ist aus Sicht der Studierenden auch nur annähernd so attraktiv wie das Rheinufer: 358 pro 1.000 Studierenden gefällt die Flusslage besonders gut. "Das Rheinufer im Sommer ist der ultimative Traum!" kommentiert eine Studentin ihre Begeisterung für die Rheinprome-
nade.
An zweiter Stelle folgt die historische Altstadt mit Augustinerstraße und Kirschgarten, Dom und Wochenmarkt sowie anderen historischen Bauten (336). "Die Altstadt ist sogar schöner als in Köln, und das sag ich als Kölner!" meint einer der Studenten. Auch die Innenstadt insgesamt, die als attraktiv, gepflegt und gemütlich charakterisiert wird, erfreut sich großer Beliebtheit (186). Kaum weniger Studierende heben die ideale Größe der Stadt hervor, in der alle wichtigen Einrichtungen vorhanden und durch kurze Wege erreichbar sind (181). Die Verbindung von Kleinstadt-Flair mit allen Vorteilen einer Großstadt (129) wird immer wieder genannt, so auch in dem Kommentar: "Ich liebe die Kleinstadtatmosphäre in der Großstadt!".
Die zentrale Lage in Deutschland und im Rhein-Main-Gebiet (111) gehört zu den Punkten, die aus studentischer Sicht in besonderem Maße zur Attraktivität der Landeshauptstadt beitragen. Dies gilt ebenfalls für die Hochschulen (171), wo viele der Befragten die Vorteile einer Campus-Universität loben. Als besonders positiv wird auch der öffentliche Personennahverkehr herausgestellt (103). Andere Studierende schwärmen von dem Freizeit- und Kulturangebot, v.a. den Partys, Clubs und dem Nachtleben in Mainz (91). Nicht zuletzt ist es die Bevölkerung, die als aufgeschlossen, freundlich und heiter charakterisiert wird (97) und nach Ansicht zahlreicher Studierenden den speziellen Reiz der Landeshauptstadt ausmacht. Gelobt wird hier das "studentische Flair mit Superatmosphäre und sympathischen Einwohnern". Ein anderer Student ist der Meinung, dass Mainz sich auszeichnet durch "herzlichere Menschen und weniger Stress auf den Straßen als in Wiesbaden und Frankfurt".
Attraktive Stadt
Eindrucksvolles historisches Mainz
Qualität der Hochschulen
Ausgezeichnetes Freizeit- und Kulturangebot
Sympathische Mainzer Bevölkerung
Als Reaktion auf die Aufforderung, drei Dinge anzugeben, die den Studierenden überhaupt nicht in Mainz gefallen, gingen nur 7.743 Antworten ein - das sind 21% weniger als bei der Frage nach den Dingen, die besonders gut gefallen, was durchaus schon als ein positives Ergebnis gewertet werden kann. Auch hier zeigen die eingeklammerten Zahlen, wie viele von umgerechnet je 1.000 Studierenden die betreffende Antwort gaben.
Die schlechte Wohnungsmarktsituation für Studierende wird am häufigsten bemängelt (315); der Kommentar "2x4 Monate Wohnungssuche ohne Erfolg" zeigt hier, wie schwer es für manche Studenten ist eine Wohnung zu finden.
Mit geringem Abstand folgt die Kritik an der Ausdünnung des ÖPNV v.a. in den Nachtstunden (301). Auch die Höhe der Parkgebühren gefällt einem Viertel aller Studierenden überhaupt nicht (241). Weitere Kritikpunkte an der Verkehrssituation wie schlechte Ausschilderung, unangemessene Ampelschaltungen, störende Baustellen und Blitzer folgen mit deutlichem Abstand auf dem vierten Rang (154).
Defizite im City-Einzelhandel (107) sowie architektonische und bauliche Mängel in der Innenstadt (104) stoßen ebenfalls bei mehr als jedem zehnten Studierenden auf heftige Kritik. Auch die hohen Lebenshaltungskosten (84) stellen für einen Teil der Befragten ein Problem dar.
Wohnungen
Verkehr
Einkaufssituation
Innenstadt
Preisniveau
Freizeit- und Kulturangebote
Stadt
Bevölkerung
Um herauszufinden, in welchen Bereichen der Landeshauptstadt aus studentischer Sicht ein konkreter Verbesserungsbedarf besteht, wurden die Studierenden zum Schluss gefragt: "Was sollte als Wichtigstes getan werden, damit Mainz für Sie als Studienort noch attraktiver wird?"
Mit weitem Abstand vor allen anderen Möglichkeiten zur Attraktivitätssteigerungen von Mainz als Hochschulort wünscht mehr als ein Drittel der Studierenden eine Verbesserung der Wohnsituation durch Senkung der Mieten und den Bau von preiswerten Wohnungen (350), v.a. von Studierendenwohnheimen. Konkrete Wünsche nach Verbesserungen im Hochschulbereich (281) folgen auf dem zweiten Rang. Sie betreffen v.a. die Organisation und Ausstattung der Hochschulen, aber auch eine bessere Infrastruktur auf dem Campus sowie höhere Investitionen in die Lehre. An dritter Stelle werden Verbesserungen der Verkehrssituation (175) gefordert, darunter in erster Linie die Verstärkung des ÖPNV im Nachtverkehr und die Ausweitung des Busnetzes. Hinzu kommen billige Parkmöglichkeiten für Studierende, der Ausbau des Radwegenetzes und eine verbesserte Anbindung an den Regionalund Fernverkehr v.a. nachts. Einige der Befragten regen an, Studierenden mehr Ermäßigungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu gewähren (38), um so die hohen Lebenshaltungskosten zu senken. Andere wünschen sich mehr Partys, Clubs und Nachtleben mit späteren Sperrstunden (26) sowie eine stärke Konzentration des studentischen Lebens in einem eigenen Szeneviertel in der Innenstadt (25). Die letzten beiden Wünsche werden sicherlich keine Zustimmung bei der dortigen Wohnbevölkerung finden.
Wohnungen
Hochschulen
Verkehr
Lebenshaltungskosten
Innenstadt
Freizeit- und Kulturangebot