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Dem Altern Sinn geben / Altern als Tragödie
Welche biologische und welche gesellschaftliche Bedeutung hat das Altern? Wie können wir uns positiv auf das eigene Älterwerden ein-stellen? Was können wir aus der Darstellung des Alterns in der Kunst lernen? Wie sollen wir mit den Gefahren des geistigen Verfalls und der Einschränkung der Sinneswahrnehmung umgehen, die mit dem Alter einhergehen? Antworten auf diese und weitere Fragen bietet die Vortragsreihe "Kunst des Alterns" der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz in Kooperation mit der Medizinischen Gesellschaft Mainz e.V. und dem Interdiszi-plinären Forschungsschwerpunkt Neurowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In kurzweiligen Vorträgen informieren namhafte Experten verständlich und umfassend aus Sicht der Kunst und Literatur ebenso wie aus kultureller und naturwissenschaftlicher Perspektive.
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe gestalten Dr. Carolin Kollewe vom Institut für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidel-berg und der Mainzer Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Michael Bachmann.
Unter dem Titel "Dem Altern Sinn geben – Altern in den verschie-denen Kulturen" beleuchtet Dr. Kollewe den Zusammenhang von Kultur und dem Verständnis von Alter und Altern in unterschied-lichen Gesellschaften. Hierzu zieht sie die Lebenssituation älterer und alter Menschen in Ländern des Südens und die Auswirkungen des demographischen Wandels in diesen Ländern heran.
Prof. Dr. Michael Bachmann lenkt die Gedanken der Zuschauer an-schließend in das Theaterfach, wenn er über "Alter als Tragödie – Das Alter im Theater" berichtet. Noch als 70-jähriger erschien beispielsweise der englische Schauspieler Thomas Betterton (1635-1710) dem Publikum in der Rolle des Hamlet als junger Mensch von großer Hoffnung, Lebendigkeit und Unternehmenslust – ungeachtet der Tatsache, dass die Gicht den Schauspieler zwang, in Pantoffeln aufzutreten. Es scheint, als ob Betterton im Spiel einen neuen – theatralen – Körper ausgebildet habe, der den physischen Körper, die Krankheit und das Altern zumindest während der Aufführung überwand und vergessen machte. Ausgehend von dem Doppelwesen des Schauspielers untersucht der Vortrag Beispiele aus der Dramen-geschichte, in denen sich die Frage des Alter(n)s aus der Perspek-tive eines "doppelten Körpers" stellen lässt: beginnend mit der Verklärung des Ödipus auf Kolonos über den Widerstreit zwischen "politischem" und "natürlichem" Körper in Schillers Don Carlos bis hin zu neueren Theatertexten und Inszenierungen.
Der Eintritt ist frei.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Veranstaltungsort:
Hörsaal der Chirurgie, Geb. 505H, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz
