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Kompetenz in Therapie und Versorgung ausbauen

Masterstudiengang Klinische Expertise in Gesundheit und Pflege gestartet

Zum Sommersemester 2017 hat an der Katholischen Hochschule Mainz (KH Mainz) der Masterstudiengang Klinische Expertise in Gesundheit und Pflege begonnen. Der Studiengang ist für die Berufsfelder der psychiatrischen Pflege, der Logopädie, der Physiotherapie sowie des Hebammenwesens konzipiert. Damit startet ein deutschlandweit seltenes Angebot zur Vertiefung fachwissenschaftlicher Kompetenzen auf Masterniveau. 13 Absolventen/-innen des Bachelorstudiengangs Gesundheit und Pflege der KH Mainz werden in den kommenden vier Semestern ihre Fachkenntnisse zu Therapieansätzen und Versorgungsformen bei komplexen Fällen vertiefen sowie Erkenntnisse aus Praxis und Forschung verknüpfen.

Mit der Einrichtung eines Wahlpflichtbereichs Klinische Expertise im Bachelorstudiengang für die verschiedenen Berufsgruppen sowie der Etablierung einer Stiftungsprofessur für Erweiterte Pflegekompetenz bei langfristigem Versorgungsbedarf (Schwerpunkt Psychiatrie) habe die Hochschule in den letzten Jahren wichtige Grundlagen für die Umsetzung des Masterangebotes geschaffen, betont Dr. Sabine Corsten, Professorin für Logopädie und Prodekanin des Fachbereichs Gesundheit und Pflege. „Im vergangenen Semester haben die ersten Studierenden des Bachelorwahlpflichtbereichs Klinische Expertise ihr Studium abgeschlossen, denen wir nun direkt ein weiterführendes, fachspezifisches Masterstudium anbieten können “, sagt Corsten.

Der Masterstudiengang Klinische Expertise ist somit ein sogenanntes konsekutives Studienangebot, das auf den Bachelorstudiengang Gesundheit und Pflege mit dem Wahlpflichtbereich Klinische Expertise aufbaut. Zulassungsvoraussetzung ist eine abgeschlossen Ausbildung in der Pflege, Logopädie, Physiotherapie oder dem Hebammenwesen sowie der erfolgreiche Abschluss des Bachelorstudiengangs an der KH Mainz. Der Masterstudiengang steht jedoch auch Studieninteressierten offen, die an einer anderen Hochschule einen fachbezogenen Diplom- oder Bachelorabschluss erlangt haben. Die Anerkennung von Leistungen, die an anderen Hochschulen erbracht wurden, wird individuell geprüft

In diesem Jahr haben sich Absolventen/-innen aus dem Bereich Pflege und Logopädie für das Masterstudium entschieden. Für die kommenden Jahre strebe man an, auch Physiotherapeuten/-innen sowie Hebammen und Entbindungspfleger für das Masterangebot zu gewinnen, um die Professionalisierung dieser Berufsgruppen und den Austausch der Fachdisziplinen auf Masterebene weiter zu stärken, ergänzt Corsten.

Psychiatrische Versorgung als Schwerpunkt

„Der Master Klinische Expertise ist in der Pflege auf die Themen psychiatrische Versorgung und seelische Gesundheit ausgerichtet. In diesem Bereich sind Pflegefachkräfte oftmals als sogenannte Bezugspersonen fallführend für einen Patienten verantwortlich“, erläutert Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa, die 2013 den Ruf auf die vom Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie AdöR und dem Landeskrankenhaus AöR gestiftete Professur erhalten hat. Häufig seien es sehr komplexe Krankheitsbilder und Versorgungslagen, die von den Pflegekräften zu managen seien. Und gerade hier sei der Fachkräftemangel ein großes Problem, berichtet Anderl-Doliwa. „Pflege und auch die anderen Gesundheitsfachberufe sind Praxisdisziplinen. Wer hier Karriere machen will, muss jedoch meistens weg vom Patienten. Aber genau dort muss die Kompetenz hin, wenn wir die Qualität der Versorgung verbessern und die Attraktivität und damit auch die Motivation für diese Berufe erhöhen wollen.“

Expertise in Störungsbildern und Therapiemethoden

Auch in der logopädischen Praxis habe die Behandlung individuell komplexer Krankheits- und Störungsbilder – beispielsweise bei demenziellen Erkrankungen oder Sprachstörungen nach Schlaganfall (Aphasien) – zugenommen. Ähnliche Entwicklungen seien im Bereich der Physiotherapie zu beobachten. „Die Ausbildung und auch das eher generalistisch ausgerichtete Bachelorstudium bieten nur wenig Raum zur vertieften Auseinandersetzung mit einzelnen, komplexen Krankheits- und Störungsbildern. Mit dem Master Klinische Expertise ermöglichen wir Logopäden/-innen und Physiotherapeuten/-innen eine solche Vertiefung und Spezialisierung. Studierende lernen zudem neue Therapieansätze kennen und erwerben das wissenschaftliche Handwerkszeug, um Therapiekonzepte zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Sabine Corsten. Gerade die Verknüpfung von Forschung und Praxis sei dabei ein wichtiger Teil des Studiums, betont Corsten. „Es ist uns wichtig, dass die Studierenden Fälle aus der Praxis aufgreifen und zum Beispiel Forschungserkenntnisse zu Therapiemethoden in der Praxis nutzbar machen.“

Expertise als Familienhebamme

Für die Berufsgruppe der Hebammen steht im Masterstudiengang Klinische Expertise die Entwicklung von Kompetenzen zur Betreuung von Familien mit besonderen Herausforderungen im Mittelpunkt. Der erfolgreiche Abschluss beinhaltet die Weiterbildung zur Familienhebamme. Eltern im Teenageralter, Frauen mit Gewalterfahrung oder auch Mütter bzw. Eltern, die mit ihrer Rolle überlastet sind, zählen zu den Klienten der Familienhebammen. Sie gehen bis zu einem Jahr nach der Geburt des Kindes in die Familien, unterstützen bei der gesundheitlichen Versorgung und leisten dort psychosoziale Unterstützung. Die Betreuung erfolgt im Idealfall in Zusammenarbeit mit einem/einer Sozialarbeiter/-in. Inhaltliche Schwerpunkte des Studiums sind beispielsweise die gesundheitliche Entwicklung des Kindes im ersten Lebensjahr, Supervision und rechtliche Aspekte der Hebammenarbeit.

Weitere Informationen zum Masterstudiengang Klinische Expertise in Gesundheit und Pflege sind unter www.kh-mz.de/gesundheit-pflege, im Dekanat (dekanat.gp(at)kh-mz.de) sowie im Praxisreferat (praxisreferat.gp(at)kh-mz.de) des Fachbereichs erhältlich.

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