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Tim Sparwasser ist neuer Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene

Experte für Infektionsimmunologie wechselt von der Medizinischen Hochschule Hannover nach Mainz

Univ.-Prof. Dr. Tim Sparwasser ist seit dem 1. Dezember 2018 Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz. Er untersucht schwerpunktmäßig die Interaktion zwischen mikrobiellen Krankheitserregern und dem menschlichen Wirt. An der Universitätsmedizin Mainz will er die infektionsimmunologische Forschung insbesondere in den Bereichen angeborene und erworbene Immunität sowie den Bereich der Immunmodulation ausbauen. Dabei will er sein Hauptaugenmerk auf neue translationale Ansätze zur Verbesserung von Impfstoffen richten.

„Infektionskrankheiten gehören weltweit immer noch zu den häufigsten Ursachen von Erkrankungen und auch von Todesfällen. Ob ein Mensch erkrankt oder nicht hängt auch damit zusammen, wie Krankheitserreger wie Bakterien und der menschliche Organismus miteinander interagieren, also die Frage, warum ein Mensch erkrankt und ein anderer trotz desselben Erregers nicht erkrankt, sagt der Medizinische Vorstand und Vorstandsvorsitzende, Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer. „Ich freue mich außerordentlich, dass wir mit Herrn Professor Sparwasser einen ausgewiesenen Experten gewinnen konnten, der sich genau dieser äußerst spannenden Frage widmet und mit einer Beantwortung die Medizin enorm voranbringen kann.“

Der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz Univ.- Prof. Dr. Ulrich Förstermann begrüßt insbesondere das hohe Integrationspotential von Professor Sparwassers wissenschaftlichen Arbeiten in die Forschungen der Universitätsmedizin Mainz: „Mit der erfolgreichen Berufung dieses Experten für Infektionsimmunologie haben wir nun einen weiteren Spitzenforscher unter uns, der unter anderem unser Forschungszentrum für Immuntherapie (FZI) weiter stärken wird.“

Gegenstand der Forschungen von Univ.-Prof. Dr. Tim Sparwasser sind auf der einen Seite die angeborene, sogenannte innate Immunität – hier vor allem mit einem Fokus auf die Wirt-Pathogen-Interaktion –, und die dendritischen Zellen und das Ziel, die körpereigene Immunabwehr in den Schleimhäuten des Darms und der Lunge, also die mukosale Immunität, zu verbessern. Neben den Mechanismen des Eindringens (Pathogeninvasion) und der Erkennung von Krankheitserregern interessieren ihn auf der anderen Seite Mechanismen der Immunevasion, also wie es Pathogenen gelingt, sich der Immunabwehr zu entziehen.

Im Bereich der erworbenen, adaptiven Immunität spielen regulatorische T-Zellen eine wichtige Rolle, die gerade von Erregern chronischer Infektionen ausgenutzt werden. Hilfreich gegen bestimmte Infektionen der Schleimhäute sind hingegen sogenannte Th17-Zellen. Dabei handelt es sich um einen speziellen Typ von T-Helferzellen, der Interleukin IL-17 produziert. Th17-Zellen können allerdings bei diversen Autoimmunerkrankungen und chronischen Entzündungen, beispielsweise bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis, entzündlichen Darmerkrankungen oder Multipler Sklerose eine schädliche Rolle einnehmen. Sparwasser und seine Forscherkollegen konnten in hochrangigen internationalen Journalen publizieren, dass neue, aus Bakterien gewonnene Moleküle über die Beeinflussung dieser Zelltypen ein großes Potential für die Entwicklung innovativer Immuntherapien haben könnten. Interessanterweise ist der entsprechende molekulare Mechanismus im Bereich des Immunmetabolismus zu finden. Dabei handelt es sich um ein hochaktuelles Forschungsgebiet, das jetzt durch diese Neuberufung an der Universitätsmedizin Mainz etabliert wird.

Im klinischen Bereich stehen für ihn Fragen der Diagnostik, Therapie und Prophylaxe von Infektionskrankheiten im Vordergrund. Hier legt Professor Sparwasser besonderen Wert auf die exzellente Qualität der mikrobiologischen Laboruntersuchungen, die der Diagnostik von bakteriellen Infektionskrankheiten und von durch Viren, Pilzen und Parasiten verursachten Erkrankungen dienen. Einen weiteren wichtigen Aspekt für eine möglichste optimale Patientenversorgung sieht Sparwasser in einer qualitativ hochwertigen klinisch-mikrobiologischen Beratung der ärztlichen Kollegen in der Universitätsmedizin Mainz.

Um bereits Studierende für diese Fragen und die angesichts steigender Zahlen hochresistenter Erreger zunehmende Bedeutung der medizinischen Mikrobiologie zu sensibilisieren und junge, motivierte Mitarbeiter für diese Disziplin zu begeistern, engagiert er sich intensiv in Lehre und Weiterbildung. In der Vergangenheit initiierte er neben seinen ausgeprägten Mentoring Aktivitäten daher eine internationale Sommerakademie mit infektionsimmunologischen Fokus sowie zusammen mit zwei argentinischen Universitäten einen binationalen Masterstudiengang „Infektionsbiologie“.

„Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz gilt seit Professor Dr. Paul Klein als ‚Wiege‘ der modernen Mikrobiologie und Immunologie in Deutschland. Es besitzt zudem seit langem eine bedeutende Rolle in der klinischen Versorgung und der Lehre. Ziel meiner Forschungsaktivitäten an der Universitätsmedizin Mainz wird es sein, eine gute Balance von methodisch ausgerichteten, mikrobiologisch-anwendungsorientierten Themen sowie Fragen der infektionsbiologischen Grundlagenforschung zu schaffen. Ich freue mich darauf, meine Kenntnisse und Erfahrungen in den Erfolg der Universitätsmedizin Mainz einbringen zu können“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Tim Sparwasser. „Insgesamt gab es also viele Argumente dafür, den Ruf auf die W3-Professur für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universitätsmedizin Mainz anzunehmen und an meine Alma mater zurückzukehren.“

Zur Person:
Univ.-Prof. Dr. Tim Sparwasser, Jahrgang 1969, studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Humanmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er auch 1996 am Institut für Medizinische Mikrobiologie promovierte. Anschließend zog es ihn an die Ludwig Maximilians-Universität München, das Universitätsspital Basel, die Stony Brook University New York, die Technische Universität München sowie das Skirball Institute for Molecular Medicine der New York University. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Karriere erhielt er diverse Auszeichnungen, darunter 1999 den Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), 1999 den „HHMI Postdoctoral Fellowship Award for Physicians“ und den Habilitanden-Preis der TU München 2008.

Nach seiner an der TU München absolvierten Facharztausbildung und seiner Habilitation im Jahr 2008 wurde er im gleichen Jahr W3-Professor für Infektionsimmunologie und Direktor des Instituts für Infektionsimmunologie am TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, einer gemeinsamen Einrichtung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). Von 2010 bis 2015 leitete er außerdem den Bereich Medizinische Mikrobiologie eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Salzgitter. Seit Juni 2015 hat er eine Gastprofessur für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie an der Facultad de Medicina, Universidad Católica de Córdoba in Argentinien inne. Im Jahr 2018 nahm er den Ruf auf die W3-Professur für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz an. Damit ist auch die Leitung des gleichnamigen Instituts verbunden.

Professor Sparwasser hat über 177 Originalpublikationen vorzuweisen, die insgesamt über 12.000 Mal zitiert wurden. Er ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Beiräte, Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und Gutachter für internationale Institutionen sowie für verschiedenste renommierte wissenschaftliche Journale.

Pressekontakt
Barbara Reinke, Stabsstelle Unternehmenskommunikation Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496, E-Mail:  pr(at)unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.400 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

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